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  • WB Kaiser-Josef-Platz Wels
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WB Kaiser-Josef-Platz Wels

Prämissen

Die Raumdisposition und –gestaltung folgt dem Ziel, den Kaiser-Josef-Platz als Stadtplatz und zentralen öffentlichen Freiraum konsequent freizuspielen, nutzbar und erlebbar zu machen. Die Neuordnung und –situierung des Busterminals macht diesen zu einem, hochdurchlässigen Teil des Platzraums und nimmt ihm die aktuelle Zäsurhaftigkeit.

Gestaltungsmittel

Die Granitpflastertypologie – bei teilräumlichen, orientierungsgebenden Differenzierungen über die Maßstäblichkeit des Plattenmusters – verleiht dem niveaufreien Platzraum Ruhe und Großzügigkeit.  Räumlich sequenziert und akzentuiert wird er durch markante, schattengebende Gehölzpflanzungen im Bereich des zentralen Busbahnhofs wie auch in den Platzrandzonen, wobei sich in den Baumschatten attraktive Aufenthaltsbereiche und –nischen finden. Ergänzt wird das Schattenplatzangebot durch einen Baumhain, der das östliche Platzende definiert. Durch eine sickerfähige mineralische Oberfläche erhält dieser Bereich als Grünplatz eine erhöhte räumliche Eigenständigkeit und maßstäbliche Intimität gegenüber der im Westen daran anliegenden urbanen Platzfläche, die als vielfältig nutzbarer und bespielbarer öffentlicher Freiraum im eigentlichen Sinn bewusst freigespielt wird. Möblierung wie auch Schattenelemente (Flächenschirme) sind hier mobil und flexible, wobei ein Raster im Belag verankerter Bodenhülsen rasche Umbauten erlauben. Niveaugleich eingebaute Wasserdüsen im Platzbereich sorgen nicht nur für sommerliche Kühlung, sondern bringen auch einen erhöhten Spielwert wie auch eine Bereicherung des Platzbildes mit sich.

Besondere Qualität ist aber jedenfalls die Größe der freien Platzfläche, die Märkte, Kino unter Sternen, Konzerte wie auch den winterlichen Christkindlmarkt mit öffentlicher Eislauffläche hier möglich macht und dadurch die Bedeutung des Platzes als kommunikatives und kulturelles Zentrum der Stadt Wels definiert.

Nachhaltigkeit als Gestaltungsgrundsatz

Das Freispielen des öffentlichen Raumes, die hohe Durchlässigkeit und Berücksichtigung der zu beachtenden Raumrelationen und Gehlinien sowie die  angebotenen Aufenthaltsnischen wie auch die bewusste Nutzungsoffenheit weiter Platzteile sind dem Anspruch sozialer Nachhaltigkeit unterstellt.

Die Ausbildung sickerfähiger Pflasterfugen wie insbesondere auch die Schaffung großzügiger Niederschlagswasserretentionsflächen in den nicht unterbauten Platzteilen gemäß einem zeitgemäßen „Schwammstadtkonzept“ (Stockholm-Prinzip), die Ausbildung einer stabilisierten mineralischen Decke bei den Baumstandorten, die intensive Durchgrünung des platzzentralen Busterminals, der parkartige Gestaltung mit der Funktionalität des Verkehrsknotens vereint, und die raumakzentuierenden und –rahmenden Gehölzpflanzungen genügen dem Grundsatz ökologischer Nachhaltigkeit.

Die Verwendung eines langlebigen Granitpflasters (aus regionalem Steinmaterial) und die Verwendung grundsätzlich robuster Gestaltungsmittel genügt nicht zuletzt dem Anspruch auch ökonomischer Nachhaltigkeit.

 

Reaktion auf Klimawandel

Die Gehölzartenwahl wie auch die sonstigen vegetabilen Gestaltungselemente sind in hohem Maß klimawandeltauglich, und erfordern vergleichsweise wenig Pflege und Bewässerung. Die offenen Splittfugen des Granitpflasters, die bewusste Niederschlagswasserretention unter ausgewählten Platzzonen, die vorgesehenen Wasserspiele (Verdunstungskälte) sowie unter anderem auch helle Oberflächentypologien genügen nicht zuletzt auch dem Ziel, der Ausbildung urbaner Hitzeinseln tendenziell entgegenzuwirken.

Funktion und Verkehr

Durch die Verlegung der Bushaltestelle in die Platzmitte ist die Schaffung einer Begegnungszone von der östliche TG Einfahrt bis zur TG Ein- und Ausfahrt im westlichen Platzbereich logisch. Die gesamte Platzfläche der Begegnungszone wir schwellenlos ausgebildet, ausgenommen ist der Bereich der Bushaltestelle, der jedoch großzügige barrierefreie Querverbindungen aufweist.

Die Bushaltestelle wird als offene Raumstruktur definiert. Glasdächer, Beschattungselemente aus Holz, Blumen- und Pflanzentröge mit Sitzgelegenheiten und ein großzügiger Fahrrad-Terminal erfüllen die Anforderungen eines modernen Busterminals und schaffen einen neuen Ort der Begegnung.

Die Einmündung der Bäckergasse als Fußgängerzone, und die Weiterführung der Begegnungszone in die Rainerstraße, generieren eine neue Mitte, die in Zukunft als Multimodaler Knoten genutzt werden soll. Der bestehende Zugang zur Tiefgarage wird geringfügig adaptiert und als Service- und Infopoint ausgebaut.

Der multimodale Knoten beherbergt alternative Mobilitätsangebote nach dem Stand der Technik, die dazu beitragen werden, die Notwendigkeit einen eigenen Pkw zu besitzen, zu verringern. Die Attraktivierung des zentralen Bus-Haltes selbst, wird Pendlerinnen und Pendlern oder Besucherinnen und Besuchern für alle Wegezwecke zugutekommen. Durch die prominente Situierung und hochwertige Ausführung des Bus-Haltes sollen vor allem Menschen angesprochen werden, die derzeit noch mit dem Auto die Innenstadt besuchen. Carsharing und E-Carsharing sollen im obersten Geschoß der Tiefgarage untergebracht werden, um die hochwertige Erdgeschoßzone des Platzes für die Menschen nutzbar zu machen. Rad-Abstellanlagen werden gestalterisch und funktionell so integriert, dass sie einfach nutzbar und zusammengehörig wirken. Leihräder werden im Nahbereich des Ticket-Centers zur Verfügung gestellt werden. Wenn gewünscht, kann dieses System auch auf die gesamte Stadt ausgerollt werden. Micro-Scooter werden im Bereich des MM-Knotens integriert. Der Betrieb und Kundenservice für den MM-Knoten (Neu-Anmeldung für die Ladekarten, Fragen, Fahrzeug-Einschulung, etc.) soll im Ticket-Center untergebracht werden um, neben dem räumlichen, auch den organisatorischen Zusammenhang der Mobilitätsangebote zu verstärken.

Durch die dezentrale Aufstellung der Abstellanlagen für Fahrräder in Eingangsnähe der Geschäfte wird das Radfahren aktiv gefördert. Multimodalen Wegeketten wurden durch das zur Verfügung stellen von Radbügeln auf Höhe des Regionalbusses sowie Schließfachanlagen (für Helm, Regenschutz, Taschen, etc.) Rechnung getragen. Wunschlinien der Fußgänger wurden bei der Anordnung von Möblierung, Bepflanzung und am Bus-Steig selbst, sowie durch die Vermeidung von Randsteinen/Kanten berücksichtigt.

Der zentrale Bus-Halt wird durch die Integration der Regionalbuslinien an Funktionalität und Qualität gewinnen, da sich Wegelängen beim Umsteigen verringern und die Wartebereiche an Qualität (Witterungsschutz, Ästhetik, etc.) verbessern. Die Möglichkeit des uneingeschränkten Busverkehrs, auch bei alternativen Nutzungen des Platzes im Bereich Ost wurde durch die alternativ-Routenführung der Busse über die Rainerstraße sichergestellt. Der Stadt- und Regionalbusverkehr kann bei Massenveranstaltungen auch gezielt als Zu- und Abbringer genutzt werden und somit zur Verkehrsentlastung für die gesamte Stadt beitragen. Zusätzlich können private Bus-Betreiber für das Zu- und Abbringen von Gäste direkt an den Veranstaltungsort (Platzbereich Ost) eingesetzt werden.

Die zukünftige Verbreiterung der Bahnhofstraße ermöglicht die fließende Einleitung des Busverkehres vom Norden, ohne die großflächige Platzmitte verkehrlich in Anspruch nehmen zu müssen.

Wesentlich ist das neue Fahrverbot quer über den neuen Platz, um den neuen Platz konsequent freizuspielen und diesen bis zum Hochhaus nutzbar und erlebbar zu machen.

Im Gegenverkehr wird die geplante Öffnung der Rossegerstraße für MIV genutzt. Die Bahnhofstraße soll als reine Zufahrtstraße auf den Platz genutzt werden – der derzeitige Nord-Süd-Verkehr soll auf die Roseggerstraße verlagert werden - die Verkehrsbelastung lässt eine solche Verlagerung zu.

Die Forderung kein Durchzugsverkehr MIV über den gesamten KJP wird grundsätzlich gestalterisch und über die Ausweitung der Verordnung „Begegnungszone“ gelöst. Flächige Kfz-Parkplätze werden entfernt, somit entfällt der Parkplatz-Suchverkehr (macht in Städten z.T. bis zu 25 % des lokal generierten Kfz-Verkehrs aus!). Im Bereich „Mitte“ werden Stellplätze zum Halten angeboten, jedoch ist bei Belegung eines solchen Stellplatzes der Begegnungsfall Pkw-Pkw nicht mehr möglich. Der von Ost nach West fahrende Pkw muss in diesem Fall den Gegenverkehr abwarten. Diese Situation erhöht zusätzlich zur verkehrsberuhigten Begegnungszone den Widerstand für die Durchfahrt von Kfz.

Die Zufahrten zu den Rampen der Tiefgarage bleiben weiterhin benutzbar. Gleichzeitig bleibt die Befahrbarkeit für alle Verkehrsarten für die Abschnitte Mitte + West in beide Richtungen erhalten.

Die verkehrsberuhigenden Maßnahmen betreffen zusätzlich zum KJ-Platz das Straßennetz inklusive Bahnhofstraße, Rainerstraße und Stelzhammerstraße, somit ergibt sich insgesamt bereits ein hoher Widerstand für den MIV. Im östlichen Bereich gibt es im Norden des Platzes Einrichtungs-Verkehr, wobei keine flächigen Kfz-Parkplätze angeboten werden. Im südlichen Teil des Platzes werden nur die Stadtbusse fahren (ausgenommen bei Platzsperre, dann werden die Busse über die Rainerstraße auf und vom Bereich „Mitte“ geführt).

Das Radfahren ist in alle Richtungen ermöglicht. Zusätzlich wird die Landesradroute in die Stadt durch die Beruhigung der Bahnhofstraße für den Radverkehr attraktiver. Es ergibt sich die Möglichkeit der Verordnung einer „Fahrradstraße“ nach StVO.

Die bestehenden TG Zugänge bleiben erhalten. Einzig der Zugang im Südosten wird von der Fahrbahnmitte an die Außenseite der südlichen TG-Wand verlegt. Die neue Situierung ist überprüft worden und funktioniert ohne Berührungspunkte mit dem nächstliegenden Hauptkanal.

Licht

Die räumlich funktionale Zonierung zwischen Verkehr- und Fußgängerbereich erfolgt über eine Differenzierung der Lichtqualitäten (Farbtemperatur/Farbwiedergabe/Schattigkeit).

Die Beleuchtung der Randzonen im Baumhain und der Baumgruppen erzeugt eine freundliche einladende Atmosphäre und verführt durch Lichtinseln zum Verweilen.

Dieses atmosphärische Gesamtbild des neu gestalteten Kaiser-Josef-Platz stiftet Identität und verleiht dem Platz in der Nacht ein unverwechselbares Antlitz, dass gleichzeitig Sicherheit und Poesie vermittelt.

Die Beleuchtung des Platzes gliedert sich in folgende unterschiedliche Ebenen:

  • Die Funktionale Straßenbeleuchtung orientiert sich an den Hauptverkehrswegen und wird mittels Fassadenleuchten auf Höhe der Traufen ausgeführt.
  • Die Atmosphärische Beleuchtung wird zum einen für einzelne Platzzonen (Busbahnhof, Multimodaler Knoten, Baumhain) und zum anderen in den Baumkronen mittels Mastleuchten konzipiert.
  • Der Busbahnhof wird homogen ausgeleuchtet, die Pflanzen und Bäume werden atmosphärisch beleuchtet.
  • Weiters werden der Brunnen und die Kaiser-Josef-Statue im Baumhain als Akzentuierte Beleuchtung mittels Bodenstrahler ausgeführt.
Ort

Wels

Status

nicht realisiert

Typ
Öffentlicher Raum
Bauherr

Stadt Wels
Stadtentwicklung

Wettbewerb

Anerkennung

Abbildungen

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